Es ist Freitagabend. Der Alte Markt in Poznań (Posen) ist voller Leben. Die Cafés und Biergärten füllen sich mit Fußballfans… Ich entfliehe der Menschenmenge und bereits eine Minute später stehe ich an den Toren des Museums der Angewandten Kunst im Königsschloss. Ich hoffe, dass mich dort ebenso intensive Emotionen erwarten

Vor dem Museum skizziert jemand sehr konzentriert die Architektur der Umgebung. Und innen? Das ist immer noch eine Überraschung für mich, aber die künstlerische Atmosphäre dieses Orts wird mir schon zuteil. Ich warte nicht lange und schon werde ich hereingelassen. Ich merke, dass die Vorhalle einen neuwertigen Duft aufweist. Dies hat bestimmt den Grund, weil das Museum der Angewandten Kunst vor etwas mehr als einem Jahr für Besucher geöffnet wurde. An der Kasse erfahre ich, dass man das Museum ebenfalls mit einem englischsprachigen Führer besichtigen kann. Man sollte sich vorher anmelden; die Kontaktdaten sind auf der Internetseite des Museums verfügbar. Später stellt es sich heraus, dass die Beschreibungen der Exponate ebenfalls in Englisch angegeben sind, also kann man das Museum problemlos auch ohne Führung besichtigen.
Direkt um die Ecke befindet sich der erste Saal mit Exponaten aus dem Mittelalter. Die gut beleuchteten Gegenstände ziehen den Blick auf sich und man kann ihre Details gut in Augenschein nehmen. Es stellt sich schnell heraus, dass jeder Saal einer anderen Epoche gewidmet ist: vom Mittelalter, die Renaissance, über den Barock bis hin zur Moderne. Die weiteren Räume bieten ein echtes ästhetisches Fest. Die Farben, Muster und die Thematik der Exponate erfüllen selbst die größten Ansprüche: Waffen, Kleidung, Geschirr, sakrale Gegenstände, Innenraum-Dekoration, Mess- und Musikinstrumente, Küchengegenstände… ich könnte hier beinahe endlos aufzählen! Mein Blick wendet sich einer Schatzkammer zu, in der sich kleine Meisterwerke in Form von Medaillons, ausgeschmückten Taschenuhren, kostbarerer Accessoires und Schmuck befinden. In der Schatzkammer spüre ich eine geheimnisvolle Atmosphäre und Hochachtung vor den ausgestellten Gegenständen. Vielleicht deswegen, weil sich unter den Schätzen auch eine Haarlocke von Napoleon Bonaparte befindet?
Das Außergewöhnliche dabei ist, dass man die Gegenstände mit Hilfe aller Sinne erkunden kann. In fast jedem Saal finde ich eine Überraschung in Form von Geräten, die man einschalten, umstellen, weitere Exponate aus ihnen herausfahren und direkt mit der Kunst in Interaktion treten kann. Außerdem befinden sich in manchen Sälen Fernrohre, in denen man Dias ansehen kann, die die alte Stadt Poznań darstellen. Außerdem sind manche Exponate beweglich, sodass man sich alle Details genau ansehen kann. Manche Gegenstände werden in Form eines dreidimensionalen Hologramms angezeigt. Sie möchten wissen, welche Aromen und Düfte es in den vergangenen Jahrhunderten gab? Hier können Sie dies erfahren. In Barock- und Rokoko-Saal kann man überprüfen, wie gut man Düfte unterscheidet. Abschließend sei noch angemerkt, dass die Atmosphäre in den meisten Sälen auch von einer entsprechenden Musik geschaffen wird.

Unabhängig davon, ob Sie Neues am liebsten über das Ansehen von Bildern, Zuhören, Berühren, Riechen oder durch Bewegung kennenlernen, das Museum der Angewandten Künste wird Ihre Bedürfnisse erfüllen können. Nach der Besichtigung aller Säle, was von einer Stunde bis hin zu einigen Stunden dauern kann – wartet auf mich noch ein Fest für die Augen. Das Schloss verfügt über einen Turm, der mit Hilfe eines Aufzugs erreicht werden kann. Für die Besucher stehen zwei Aussichtsterrassen verfügbar (eine von ihnen ist etwas höher gelegen und wird über eine Treppe erreicht). Ich kann allen die Besichtigung des Turms allen nahelegen – auch Familien mit Kindern sowie Menschen mit körperlicher Behinderung. Der Blick auf die Stadt ist wirklich wundervoll.
Als ich wieder auf dem Markt zurück bin, fängt das Fußballspiel erst an. Geselliger Zeitvertrieb, Trubel und Sportemotionen haben auch ihren Reiz, aber es macht den Anschein, als ob ich heute nichts verpasst hätte. Eine Zeitreise durch die Säle des Museums ist sehr inspirierend und gibt einen Impuls zu kreativer Arbeit in jedem Bereich. Ich kann das Erlebnis weiterempfehlen.
Marcin Wojciechowski