Ein führender polnischer Volleyballspieler, viele Jahre in der deutschen Bundesliga tätig. Seit kurzem Trainer bei APP Krispol Września. Marian Kardas spricht über seine Karriere als Spieler und Trainer und über die Herausforderungen für die Zukunft mit Jacek Zieliński

In Sosnowiec-Milowice, einem Viertel woher Sie stammen, haben zwei Sportarten immer dominiert: Fußball und Volleyball. Als ein junger Sportler haben Sie beide Sportarten ausprobiert, aber sich dann beruflich für den Volleyball entschieden. Was waren die Gründe für diese Entscheidung?

In meiner Heimatstadt genoss der Volleyball immer viel Beachtung, eine Sportart mit viel Tradition halt. Aus meiner Stadt kommen polnische Meister im Frauen- und Männer-Volleyball, viele polnische Nationalspieler, Weltmeister, Olympiasieger, Europa-Vize-Europameister, also eine Menge Vorbilder für mich. Am Anfang habe ich lieber Fußball gespielt, der viel einfacher ist als Volleyball. Aber mit der Zeit konnte ich mich für den Volleyball richtig begeistert.

Płomień Milowice war Ihr erster Verein und der Ursprung Ihrer Karriere. Danach haben Sie 10 Jahre in Deutschland verbracht. Was waren Ihre größten Erfolge in der Bundesliga?

Der Aufenthalt im Ausland war ein sehr wichtiger Lebensabschnitt für mich und ich habe dadurch viel gelernt. Mit den deutschen Mannschaften habe ich viele größere Erfolge gefeiert. Vier Mal haben wir den deutschen Vizemeistertitel, ein Mal das Deutsche Pokal und drei Mal den 3. Platz im CEV-Pokal gewonnen.

Die polnische Nationalmannschaft ist auch erwähnenswert. Dort waren Sie an 178 Spielen dabei.

Als ein polnischer Nationalspieler konnte ich an der Weltmeisterschaft teilnehmen, zwei Mal an der Europameisterschaft, ein Mal habe ich mich beinah für die Olympischen Spiele in Los Angeles 1984 qualifiziert. Leider waren wir dann doch nicht dabei und das nicht aufgrund der fehlenden Qualifikation, sondern durch den politischen Boykott der Spiele durch sozialistische Länder, darunter auch Polen.

Haben Sie diese verpasste Chance auf eine Olympia-Medaille bereut?

Ja, es war schon traurig. Eine andere Chance auf Teilnahme am Olympia ist nie wieder gekommen. 1984 haben wir an einer anderen Veranstaltung teilgenommen, an s.g. Freundschaft-Meisterschaft 84, die nur für sozialistische Länder organisiert wurde. Dort haben wir den dritten Platz errungen und das zeigt, dass wir eine gute Chance für eine Olympia-Medaille in Los Angeles hatten.

Nach Ihrer Karriere als Spieler haben Sie mit der Trainertätigkeit begonnen.

Ja, so sieht es doch oft aus. Es war auch in meinem Fall so. Diese neue Rolle erforderte von mir neue Fertigkeiten. Ein Spieler hat seine Aufgabe auf dem Spielfeld und muss diese als Spieler am besten wie möglich umsetzen… Der Trainer ist nicht nur ein Dirigent eines Orchesters, er muss in einem gewissen Sinne die Rollen aller Spieler übernehmen, alle Instrumente kontrollieren. Vor dem Spiel, während sowie nach dem Spiel muss er neue Konzepte in seinem Kopf erwägen… Er muss darüber nachdenken, was man noch besser machen kann. Man kann immer etwas besser machen, auch im Volleyball.

Ihren Trainerjob haben Sie mit einem Vertrag mit einem deutschen Verein aus den unteren Bereichen der Ligatabelle begonnen.

Ja, 2,5 Jahre lang war ich der erste Trainer von Maoam Mendig. Mein Erfolg war es, diese Mannschaft in der Bundesliga zu halten, in den darauf folgenden Jahren konnten wir zwei Mal den fünften Platz unter 10 Mannschaften ergattern. Das war ein sehr gutes Ergebnis und ein semiprofessionelles Team. Ein Teil der Spieler war gleichzeitig beruflich tätig und hat Volleyball gespielt. In den nächsten Jahren habe ich in Polen mit Frauen- und Männerteams gearbeitet. Mein größter Erfolg als Trainer war der 4. Platz in der Plus-Liga mit Delecta Bydgoszcz. Mit dieser Mannschaft habe ich die letzten 9 Jahre als zweiter Trainer gearbeitet.

Jetzt arbeiten Sie für APP Krispol Września. Was sind Ihre Träume als Trainer?

Mein Traum wäre es, die polnische Nationalmannschaft zu führen, aber das wird wohl nicht mehr gelingen, obwohl ich während der WM 2006 mit der Frauenmannschaft als zweiter Trainer arbeiten durfte. Mein Traum wäre auch eine Olympiamedaille, aber dieser Traum wird wohl nur ein Traum bleiben. Und optimistischer? Ich würde gerne mit APP Krispol Września eine Medaille gewinnen und in die Plus Liga aufsteigen. Und das ist real.